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Schmiede Pleuel - Maxspeeding - China: top oder flop?


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Verfasst am: 27. 09. 2017 [11:53]
nortonjan
(Grand-Saconnex GE)
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Beiträge: 469
Mit meinem Projekt (siehe "1275er Tuning") habe ich das Ziel ist, einen schön ansprechenden Drehmoment-Motor mit gutem Leerlaufverhalten zu bauen.

Drehmoment kommt v.a. vom Motorinhalt (= Aufbohren) und vom Hub (andere Kurbelwelle), Leerlaufverhalten kommt (u.a.) von der Nockenwelle. "Schönes" Ansprechverhalten hat u.a. mit reduzierter Masse im Kurbeltrieb (Kolben - Pleuel(stange) - Kurbelwelle) und an der Schwungscheibe zu tun: je leichter, desto besser.
(Weitere Ausführungen dazu siehe "Schwungscheibe erleichtern / lightened flywheel").

Aufgrund der Probleme (siehe "Das weisse Grauen") mit dem Motor und den nötigen Zerlegearbeiten 'kann' ich mich nun doch noch für leichtere Pleuel (engl. Conrod oder Connecting Rod) entscheiden. Da die Arbeit an den Original-Pleueln in der Schweiz relativ teuer ist und ich's nicht selber machen kann, habe ich nach Tuning-/Rennsport-Teilen Ausschau gehalten. Da gibt es die unbezahlbaren (1800€) Carrillo Conrods, dann z.B. welche von M.E.D. engineering (Satz bei £890.-, sehr leicht bei 430gr mit Schrauben) und dann eine Unmenge anderer, v.a. Made in China. Nach langen Recherchen und einer relevanten Empfehlung aus GB habe ich mir einen Satz China-Teile von Maxspeeding (www.maxspeeding.com oder .co.uk) besorgt.

ich hör's schon: "alles gut, aber weshalb CHINA-Ware??"

Ehrlich: Zuerst wegen dem Preis (Satz £240). Weiter glaube ich, dass generell die Chinesen kommen. Zwar nicht mehr billig, aber immer noch günstig. Vielleicht (wie hier) keine Highend-Ware, aber brauchbar. ABER man muss genau hinsehen, es gibt viele Fälschungen und viel Schrott. Ich wage hier den Schritt und hoffe, es komme gut!icon_wink.gif

Also, zum Produkt:
angeblich TÜV-geprüft (siehe Produkteausschreibung - aber ja, was heisst das denn schon), EN24 Chrom-Molybdän-Stahl, die Schrauben ARP 2000, Pleuel-Auge mit Bronzebüchse, scheinbar einzeln geröntgt (nicht überprüfbar...).

Bestellablauf:
Sehr einfach, tadellose Kommunikation (Rückfrage wegen Versandadresse innert einiger Stunden nach Bestellung). Nach 4 Tagen war die Ware hier (ab Depot in England). 14-tägiges Rückgaberecht.

Erster Eindruck:
- saubere Verpackung (einzeln in Ölpapier eingewickelt)
- alle 4 Pleuel genau gleich schwer (532gr)
- sehr gut verarbeitet, sauberste Trennstelle beim grossen Lager, eineindeutige Zuteilung der Bauteile (einzeln mit Laser markiert)
- echte ARP-Schrauben (mit echten ARPs verglichen, keine Abweichung in Schriftart, Beschriftungsform, Material oder Machart zu erkennen)
- einfache, aber komplette Einbauanleitung mit Angabe des Drehmomentes und dem (richtigen und wichtigen) Hinweis auf die Verwendung von ARP Schraubensicherung

Zum Gewichtsthema:
Ein Standard-Midget-1275er-Pleuel mit Schrauben wiegt ca. 700gr. (Cooper S wäre leichter....). Zusammen mit dem Kolben, dem Kolbenbolzen und den Ringen (aber ohne Pleuelfusslagerschalen) kommt man auf ca. 1090gr pro Zylinder oder 4.36 kg im Motor.

"Meine" Kombination, also die Pleuel mit Schrauben und mit den italienischen Schmiede-Kolben mit Bolzen/Ringen kommt auf 886gr pro Zylinder oder 3.54 kg im Motor.

Das entspricht einer Gewichtsersparnis von fast 19%. Das ist auf dem Papier jetzt nicht die Welt, aber mir reicht das, man wird es spüren (wie gut, wird sich zeigen....icon_lol.gif). Zum Vergleich: Mit sehr gutem Material kommt man auf ca. 730gr pro Zylinder oder -33%.


Schaut soweit alles gut aus, aber bei aller Euphorie: Mein Motorenbauer wird nun die Pleuel noch genau vermessen. Dann wird er das obere Bronzelager (20.46mm) gegen eines mit 18mm wechseln, da meine Kolben schwimmende Kolbenbolzen in ebendiesem Mass haben. Dann folgt der Einbau - und dann hoffentlich die Freude daran!!icon_razz.gif


Jan






[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 27.09.2017 um 11:58.]

Das Leben ist zu kurz, um langweilige Autos zu fahren.
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Verfasst am: 27. 09. 2017 [11:58]
nortonjan
(Grand-Saconnex GE)
Themenersteller
Dabei seit: 14.10.2010
Beiträge: 469
hier noch zwei Bilder des Pleuels

Das Leben ist zu kurz, um langweilige Autos zu fahren.
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Verfasst am: 30. 11. 2017 [23:37]
nortonjan
(Grand-Saconnex GE)
Themenersteller
Dabei seit: 14.10.2010
Beiträge: 469
Hier noch ein Update zu den Pleueln:

Scheinen ganz in Ordnung zu sein. Der Motorenbauer hat sie alle ausgemessen, zwei der Pleuel mussten ganz leicht ausgewinkelt werden - sonst alles tiptop und masshaltig.

Auswinkeln: das rechtwinklige Ausrichten der beiden Bohrungen zur senkrechten Achse des Pleuels.

Weil sie mit einer 22mm-Bohrung im Pleuelauge (=das kleinere, obere Loch, dort, wo der Kolbenbolzen geführt wird) angeliefert wurden, mussten Bronze-Büchsen eingesetzt werden. Die Pleuel haben wie die Originale oben im Pleuelauge eine Oelbohrung, durch die Oel auf den Kolbenbolzen geführt wird. Damit an dieser hochbelasteten Stelle immer genug Oel ist, hat der Motorenbauer einen zusätzlichen Oelkanal innen an der Büchse, auf der Höhe der Oelbohrung, angebracht. Ich finde das noch gut..... !



[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 30.11.2017 um 23:40.]

Das Leben ist zu kurz, um langweilige Autos zu fahren.
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Verfasst am: 01. 12. 2017 [11:29]
Schnepf
(Michelfeld (bei SHA))
Dabei seit: 18.02.2010
Beiträge: 676
nortonjan schrieb:

Hier noch ein Update zu den Pleueln:
alles tiptop und masshaltig.



Hallo Jan,
sehr gut.
fehlt eigentlich nur noch die Werkstoffanalyse zum vollkommenen Glück.
Viel Erfolg beim Zusammenbau!
Gruß
Jürgen

“Have no fear of perfection – you`ll never reach it”.

Verfasst am: 02. 12. 2017 [14:28]
nortonjan
(Grand-Saconnex GE)
Themenersteller
Dabei seit: 14.10.2010
Beiträge: 469
gemäss deren Angaben handelt es sich um EN24 4340.
Aber eine Materialprüfung lass ich aus Kostengründen sein, ich vertrau jetzt einfach mal.....

icon_cool.gif

Das Leben ist zu kurz, um langweilige Autos zu fahren.
Verfasst am: 02. 12. 2017 [15:52]
Schnepf
(Michelfeld (bei SHA))
Dabei seit: 18.02.2010
Beiträge: 676
nortonjan schrieb:

gemäss deren Angaben handelt es sich um EN24 4340.


Keine Angst! Es ist ein niedriglegierter Chromnickelstahl 36CrNiMo4 und in etwa vergleichbar mit englischem EN40B aus dem lt. Vizard die unkaputtbaren MiniCooper S Pleuel gefertigt wurden. Streckgrenze untreated 650 MPa, vergütet 850 bis 1000 MPa. Das sollte reichen..
Gruß
Jürgen

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 02.12.2017 um 15:53.]

“Have no fear of perfection – you`ll never reach it”.

Verfasst am: 02. 12. 2017 [21:24]
peteran5l
(Bremen)
Dabei seit: 17.01.2010
Beiträge: 4381
" take up your china doll, its only fractured and just a little nervous from the fall "

listen here :https://www.youtube.com/watch?v=BX3ll_cCkqg

Piet


The older I get the more I realize no one has any idea what they actually doing and everyone is just pretending.
Verfasst am: 11. 12. 2017 [20:33]
Roland
(Holzgerlingen)
Dabei seit: 05.02.2010
Beiträge: 3399
Hallo Männers,

gefräste Pleuels sind im allgemeinen nice to have. Zumindest bei den 1275gern. Der Vorteil der gefästen
Pleuels ist das geringere Gewicht. Die Coopers "S" und auch die Standard Pleuels sind wirklich gut bis +8500upm,
ja selbst die vom 950ger halten diese Drehzahlen. Anschließend fliegen erst Teile vom Kolbenhemd in der
Gegend herum. Kritisch sind in erster Linie die Pleuelverschaubungen. Der nächste Schwachpunkt
ist das hintere Kurbelwellenlager und dann das mittlere KW-Lager. Die Kurbelwelle selber ist das schwächste
Glied in der Kette. 7500 upm sollten nicht überschritten werden. Zumindest nicht für lange.
Nicht vertrauenswürdig sind auch die 4 Schräubchen mit denen am 950ger das Schwungrad an der Kurbelwelle
festgeschraubt wird. Was sich auf jeden Fall lohnt ist das sparen auf ne Stahlkurbelwelle.

Gruss
Roland

http://www.youtube.com/watch?v=eMJHij-HlfM

http://www.youtube.com/watch?v=8Sz4MIW7oZY
hehe, da ballert mein Sprite über die Startbahn in Rothenburg offen mit 169Km/h und mein Beifahrer ruft: Brems....brems...
http://www.swiss-marathon-rallye.ch/SMR%202010/smr10_klein_0063.JPG