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Ashley Hardtop - Restaurierung


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Verfasst am: 17. 03. 2018 [20:08]
nortonjan
(Grand-Saconnex GE)
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Hallo Freunde geschmeidiger Formen, Coupé-Fans und andere:

Ich restauriere grad mein Ashley Hardtop, dass ich vor einigen Jahren hier übers Forum erwerben konnte (hmmm.....im Westerwald? ja, ich glaub).

Nun, das Dach wird heute noch (wieder?) produziert:

www.ashleygt.co.uk

Ursprünglich wurde es zusammen mit der Front unter dem Namen Ashley GT vermarktet und wurde bereits zu Frosch-Zeiten entwickelt, weil die Froschhaube nicht allen gefiel.

Nun kann man sich fragen, wieso ich das alte Dach restauriere, was durchaus aufwändig ist (ein neues käme wohl günstiger). Zuerst hoffe ich auf bessere Passform, aber ich versuche auch, dieses relativ seltene Stück zu erhalten und bin dabei sicher, dass die Echt-Glas-Scheiben gut passen (nur Heckscheibe ist gebogen, dafür aber richtig....).

Der Zustand der Scheiben und auch der Beschläge war recht ordentlich, die Lackschicht und das Gel Coat hatte jedoch zentrische Risse über die ganze Fläche. Nach Rücksprache mit einem Spezialisten habe ich nun in sehr mühseliger und sehr staubigen Arbeit das Gel Coat auf der grossen Fläche bis aufs Fiberglas runter geschliffen - ist nicht ohne, habe z.T. etwas viel abgetragen..... Auch im Innenbereich hab ich die aufgesprungene Schicht von irgendeinem gespritzten Was-weiss-ich entfernt, so dass quasi nur das nackte Dach übrig bleibt. An den Kanten habe ich nix geschliffen, weil man damit schnell mal die Form mitträgt, und dann wird's mühsam.

Beim obigen Lieferanten habe ich alle Dichtungen besorgt und als Vorarbeit schon mal die Heckscheibe eingesetzt. Dies deshalb, weil das Dach dadurch seine Form hält. Auf dem einen Bild ist auch ein Heimwerker-Drahtseil zu erkennen. Das habe ich montiert, weil das Dach doch recht weich wird und die Flanken sich nach aussen verbiegen oder es gar brechen könnte.

Was jetzt folgen wird, ist, dass der Spezialist das Dach grossflächig innen und aussen mit Kevlar belegen/verstärken wird. Später dann wird der Lackierer seinen Aufbau machen. Diese Verstärkung ist auch der Grund, weshalb der Gel Coat runter musste, weil die angedachten Verstärkungen des Daches sich mit dem GFK direkt verbinden müssen.

Bei den Beschlägen zeigte sich, dass die beiden Scharniere des kleinen Heckdeckels leider dieselben waren, es sollte aber 1x ein rechter und 1x ein linker sein. Ich hatte Glück und einen interessanten Shop gefunden:

www.europaspares.co.uk

Das ist ein Kit-Car Spezialist (hat auch tolle Sitze), und tatsächlich konnte ich ein nachproduziertes Scharnier finden - nicht ganz so schön wie das alte, aber tauglich.

Ich weiss noch nicht so genau, wie ich die Verankerung des Daches am Chassis mache, die fehlte nämlich. Ist aber ein überschaubares Problem. Vorne am Scheibenrahmen kommen dieselben Klappen zur Anwendung wie beim originalen Verdeck, das Ding hält also eigentlich nur an 4 Punkten und dem Schloss des Deckels hinten.
Da ich die Karosserie des Midget MK II habe und dort das Verdeck nicht fix angeschraubt ist, kommt da nix in die Quere (Dieter B weiss, ob es beim MK III Midget weg muss oder bleiben kann?).

Im Anhang das Bildmaterial bis hierhin, update folgt.

mit octagonalen Bastlergrüssen aus dem südwestlichsten Zipfel Helvetiens, direkt ab der Genfer Automobilmesse, Jan

Das Leben ist zu kurz, um langweilige Autos zu fahren.
Dateianhang

Dach innen in Arbeit.jpg (Typ: image/jpeg, Größe: 503.44 Kilobyte) — 58 mal heruntergeladen
Dach auf Auto 1.jpg (Typ: image/jpeg, Größe: 495.63 Kilobyte) — 85 mal heruntergeladen
Dach auf Auto 2.jpg (Typ: image/jpeg, Größe: 479.95 Kilobyte) — 72 mal heruntergeladen
Verfasst am: 17. 03. 2018 [20:59]
DieterB
(Wedemark)
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Hallo Jan,

da hast Du Dir ja nicht gerade wenig Arbeit aufgehalst.
Das mit dem Kevlar hört sich aber gut an, denn das Ding ist in original echt fragil.

Das Softtop samt Gestänge kann beim MK III an Ort und Stelle verbleiben. Kann man im Heckfenster sehen.

http://www.bilder-hochladen.net/files/big/1q8f-dh-d051.jpg


Grüße
Dieter

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 17.03.2018 um 21:01.]

MG Midget MK III, Bj. 1972, Ashley Hardtop
MGB GT V8, Bj. 1975, Mini Van, 1982
Lotus Elan +2S Bj. 1969 (im Aufbau)

Ideen sind nicht gefährlich, solange sie keinen Nährboden finden in einer Erde, die tiefer ist als der Geist.
(John Steinbeck)
Verfasst am: 24. 03. 2018 [07:41]
Heiko
(Hattingen)
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Muss ja ehrlich sagen,

dieses Hardtop finde ich optisch richtig klasse.... das macht was her.


Gruß Heiko
Verfasst am: 26. 03. 2018 [23:35]
nortonjan
(Grand-Saconnex GE)
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Danke Heiko, sehe ich naturgemäss gleich! icon_razz.gif

Das Leben ist zu kurz, um langweilige Autos zu fahren.
Verfasst am: 26. 03. 2018 [23:40]
nortonjan
(Grand-Saconnex GE)
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Hallo Mädels - weiter geht's!

Die Arbeiten gehen voran, und zwar wird das von meinem Spezi (er hat sich eine komplette 1-teilige Karbon-Karosserie für seinen Cobra-Nachbau gefertigt - 1A der Mann!) wie folgt gemacht:

- Die Dach-Aussenfläche ist durch das Runterschleifen des Gel-Coat recht uneben geworden. Die grössten Unebenheiten werden mit Spachtel grob ausgeglichen. Diese Stellen erkennt ihr auf den folgenden Bildern als weisse Bereiche.

- Dann wird zuerst mal mit Maler-Klebeband angeklebt, dann folgt das Aufbringen des Harzes.

- Auf das Harz werden dann die Glasfasermatten gelegt und darüber nochmals etwas Harz gerollert.

Die beiden Bilder hier zeigen den Moment nach dem Auftragen der zweiten Harzschicht.

Das Leben ist zu kurz, um langweilige Autos zu fahren.
Dateianhang

Glasfasermatte in Nass ohne Abreiss.jpg (Typ: image/jpeg, Größe: 365.7 Kilobyte) — 23 mal heruntergeladen
Glasfasser in Nass vor Abreissfolie 2.jpg (Typ: image/jpeg, Größe: 198.82 Kilobyte) — 22 mal heruntergeladen
Verfasst am: 26. 03. 2018 [23:48]
nortonjan
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und gleich weiter im Text:

- Dann wird auf die nasse Oberfläche eine sogenannte Abreissfolie angebracht - Ihr erkennt sie auf dem ersten Bild an den blauen Strichen.

Wenn alles trocken ist, wird diese Abreissfolie wieder entfernt. Sie hat drei Zwecke:

a) Das Harz, das nicht von der Matte aufgenommen wurde, wird von dieser Folie abgesaugt (nur sehr minim).
b) Würde man keine Folie anbringen, würde an jenen Stellen, an denen zwei Glasfaserbahnen übereinanderliegen, mehr Absätze entstehen, die der Lackierer dann mühsam entfernen muss
c) Die Unterseite der Abreissfolie ist rau gekoppelt. Das führt zu einer rauhen Oberfläche, auf der der Lackierer direkt seinen Lackierspachtel auftragen kann.

Auf den Bildern sieht man gut, dass die Glasfasermatte relativ feinmaschig und leicht ist. Zusammen mit dem Harz ergibt sich bereits eine deutliche Versteifung des Daches. In einem nächsten Schritt wird nun auf der Innenseite eine Composite-Matte verlegt, die Karbon und Glasfaser gemischt ist. Karbon ist ein Material, dass beim Bruch sehr scharfkantig und daher ziemlich gefährlich wird. Deshalb das Composite-Material. Aber dazu nächstens mehr.

Ist aufwändig, aber ergibt eine tolle Stabilität - und das ist beim Dach, das bereits einige durchgehenden Risse hatte, wichtig.

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Dach mit Abreissfolie.jpg (Typ: image/jpeg, Größe: 499.2 Kilobyte) — 19 mal heruntergeladen
Dachkante nah.jpg (Typ: image/jpeg, Größe: 500.76 Kilobyte) — 17 mal heruntergeladen
Dach gesamt.jpg (Typ: image/jpeg, Größe: 487.02 Kilobyte) — 18 mal heruntergeladen
Verfasst am: 26. 03. 2018 [23:57]
nortonjan
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übrigens:

Die Scheibe ist absichtlich drin. Das Problem ist - wie Dieter schon sagte - dass das Dach alles in allem recht weich ist, bei mir noch zusätzlich, weil das Gel-Coat fehlt. Das Fenster gibt dem Dach die Form, die es fürs Laminieren braucht, denn obwohl natürlich ein gewisser Flex erhalten bleibt, kann es schon vorkommen, dass nach dem Laminieren nix mehr passt - und des wollemer ned!
icon_lol.gif

2tes übrigens:
auf dem einen Bild sieht man in Bodennähe so seltsames Klebeband an einer ganz schmalen Stelle des Daches (an dieser Kante kommt der Heckdeckel zu liegen). Dort ist mein Dach komplett gebrochen und hält nur noch an ein paar wenigen Fasern.

Wenn auf der Innenseite das Composite-Material verlegt und ausgehärtet ist, wird die Heckscheibe entfernt (weil das Dach dann seine Form ja hält) und diese Stelle nicht nur geflickt, sondern gleichzeitig auch verstärkt.


Nochmals schnell zu meiner Motivation für solche Übungen:
Ich find's halt einfach spannend zu sehen, wie man solche Dinge - also GFK - repariert und restauriert. Wenn ich den Aufwand betrachte, die z.B. ein nachzubildendes Teil bedarf, verstehe ich nun auch, weshalb die professionelle Restaurierung z.B. eines Lotus Elite mit seiner selbsttragenden (!) GFK-Karosserie so schweine viel Geld kostet. Was man auf den Bildern nämlich nicht sieht: es muss bei komplexeren Teilen dann schnell mal 1 Tag geschliffen werden, bis die Form wieder so ist, wie sie mal war....

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 26.03.2018 um 23:58.]

Das Leben ist zu kurz, um langweilige Autos zu fahren.
Verfasst am: 01. 04. 2018 [00:15]
nortonjan
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So, es geht Schlag auf Schlag hier:
Auf dem einen Bild sieht man, wie dünn und lichtdurchlässig das Dach im Moment ist. Deshalb hat mein GFK-Spezi entschieden, unter die Glasfasermatte doch noch eine Schicht Karbonfaser zu laminieren (auf dem Bild als schwarze Schicht erkennbar.

Mit dieser schwarzen Karbonmatte hat er auch gleich die etwas labilen Seiten verstärkt, damit das Dach auch da steifer wird.


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Verfasst am: 01. 04. 2018 [00:18]
nortonjan
(Grand-Saconnex GE)
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.....und dann kam auf die Innenseite noch die Schicht mit dem Composit-Material (gelb-schwarz gemischt) - somit sind auf der Fläche drei Schichten GFK / Karbon verlaminiert worden.

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 01.04.2018 um 00:19.]

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Verfasst am: 01. 04. 2018 [08:30]
Schnepf
(Michelfeld (bei SHA))
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Hallo Jan,
vielen Dank für die Bilder - viel Erfolg!
Bin gespannt, wie es ausssieht, wenn alles fertig ist.
Grüße
Jürgen


“Have no fear of perfection – you`ll never reach it”.